Wir wollen genauer verstehen, wie ein linear-zeitinvariantes (LZI)-System mit der Übertragungsfunktion G(s) auf ein Eingangssignal
u(t)=sin(ω0⋅t)
reagiert.
Der Einfachheit halber gehen wir hier davon aus, dass es sich bei G(s) um eine gebrochen rationale Übertragungsfunktion mit der folgenden Partialbruchzerlegung (PBZ) handelt:
G(s)=i=1∑ns−pG,irG,i
Darin sind pG,i die Pole der ÜF und rG,i die zugehörigen Residuen.
Lösung im Frequenzbereich
Um die Systemantwort y(t) zu bestimmen, folgen wir dem bekannten Schema und transformieren u(t) zunächst in den Frequenzbereich; laut Tabelle gilt:
u(t)=sin(ωt)∘−−∙U(s)=s2+ω2ω.
Damit können wir die Ausgangsgröße im Frequenzbereich bereits angeben:
Nun müssen wir diesen Ausdruck so umformen, dass wir die einzelnen Summanden wieder zurück in den Zeitbereich transformieren können, z.B. mittels Partialbruchzerlegung (PBZ).
Natürlich können wir die genaue Lösung nicht bestimmen, ohne G(s) zu kennen.
Was wir aber sagen können: Die Pole von Y(s) liegen gerade in den Polstellen von G(s), und zusätzlich in ±jω, also den beiden Polen des Anregungsterms.
Die PBZ von Y(s) hat folglich die Struktur
Y(s)=i=1∑ns−pG,irG,i+s−jωr1+s+jωr2.
Darin sind pG,i die n wie oben die Pole von G(s) und rG,i die zugehörigen Residuen dieser Pole in Y(s) - diese unterscheiden sich natürlich von den ursprünglichen Residuen rG,i in G(s).
Die Partialbrüche korrespondieren im Zeitbereich bekanntlich mit
rG,i⋅epG,it.
Nun nehmen wir zusätzlich an, G(s) sei übertragungsstabil, d.h. alle Pole pG,i haben negativen Realteil.
Dann laufen alle Summanden yi(t) mit fortschreitender Zeit gegen null; wenn man lange genug wartet, sind sie in der Systemantwort somit nicht mehr zu erkennen!
Die letzten beiden Terme in Y(s) haben dagegen imaginäre Pole und entsprechen einer ungedämpften Dauerschwingung, deren Amplitude auch nach langer Zeit konstant bleibt. Wir wollen uns also auf diese konzentrieren!
Die unbekannten Faktoren r1 und r2 können wir mithilfe der Methode der Residuen ermitteln:
Dieses Signal beschreibt ebenfalls einen Sinus der Kreisfrequenz ω! Es weist eine andere Amplitude und Phase auf als das Eingangssignal, aber dieselbe (Kreis-)Frequenz.
Außerdem kommt es anfangs zu einem Einschwingvorgang, weil sich die die anderen Summanden dem harmonischen Signal überlagern - früher oder später spielen sie aber keine Rolle mehr, sofern das System stabil ist.
Zusammenfassung
Fassen wir dieses fundamentale Ergebnis nochmals zusammen:
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Ein harmonisches Eingangssignal der Kreisfrequenz ω wird durch ein stabiles LZI-System mit der Übertragungsfunktion G(s) - nach einem Einschwingvorgang - lediglich um den Faktor ∣G(jω)∣ verstärkt und um den Phasenwinkel ∠G(jω) nach links verschoben.